amares

Unterwegs zu Gewaltfreiheit
... gewaltfrei unterwegs?

Am Anfang war die Sehnsucht...

Ein unbestimmtes Wissen, das bereits da war und doch wie in Nebel gepackt: Es muss doch mehr geben als das, was wir in Pädagogik-Büchern erzählt bekommen. Reisen, Lesen, Fortbildungen. Überlegen, hin und her. Die Idee von einer „Pädagogik des Zuhörens“, von „einer Kultur des Herzens“, jenseits von Rollen und Altersgrenzen, begleitet uns von Anfang an. Wir haben schon immer gerne tief, breit und quer durch Disziplinen gedacht: Wie treffen wir Entscheidungen? Wie wollen wir leben? Was hilft Menschen, kooperativ und lebensfreundlich zu handeln?

Wir fanden unterwegs auch viele Arten und Weisen, Gewaltfreiheit zu beschreiben – zum Beispiel als das innige Bemühen, eine Welt zu schaffen, die von uns allen und für uns alle ist. Eine Welt, in der alle Bedürfnisse berücksichtigt werden, nicht nur die Bedürfnisse derjenigen, die im Einklang mit unseren Werten handeln.
So bewegten wir uns von der Idee der „Erziehung“ hin zu der Idee von all ages collaboration – der Überzeugung, dass wir alle miteinander, voneinander und füreinander lernen können. Die Begriffe, die wir hier wählen, stellen eine Art Kaleidoskop dar und sind nicht als einengendes Korsett gemeint.
Hier eine Möglichkeit unseren Weg zu beschreiben – aus der Perspektive einer der Gründerinnen, die mit dem Thema intensiv verbunden ist und es in den Fokus des Fördervereins stellt.

Unterwegs zu Gewaltfreiheit

Wir haben nach innen und außen geschaut, in uns und in der Welt gesucht. Und viel ausprobiert und gewagt.
Die Fragen und Themen, die aufgetaucht sind, und viele der Erfahrungen, die wir gemacht haben, sind uns unter die Haut gegangen. Wir haben gesucht und gefunden: Unter dem Begriff der Gewaltfreiheit haben wir Prinzipien entdeckt, die uns helfen, uns von der binären Logik, die uns voneinander trennt, zu lösen – hin zu einer Logik, die uns unterstützt, mit uns selbst, miteinander und mit den Höhen und Tiefen des Lebens verbunden zu sein – auch dann, ja gerade dann, wenn die Lage nicht einfach ist.

Wir haben die Erfahrung gemacht, wie es ist, Macht miteinander statt Macht-Übereinander auszuüben. Die Logik des gemeinsamen Gelingen-lassen. Sich zwischen Chaos und Selbst-Organisation bewegen, Initiativen zu übernehmen und mal in Führung – mal im Folgemodus – unterwegs zu sein. Haben wir alle genug? Kann jeder von uns den Weg mitgehen? Findet jeder von uns einen Platz? Ob es um den Morgenkreis, einen Elternabend oder eine große Entscheidung geht, die finanzielle Folgen hat: wir haben gelernt, Lösungen und Wege zu finden, die für alle annehmbar sind. 

 

Wie wir zu diesem Leitgedanken gekommen sind

…eine verkürtze Version

I. amares : die Vielfältigkeit des Liebens

Über viele Jahre sagten viele Kinder, Kolleginnen und Familien: „Wir gehen zu amares“ – und nicht „Wir gehen in den Kindergarten“ oder „Ich arbeite im Kindergarten“. Der Begriff „Kindergarten” tauchte auch auf unserer ersten Website kaum bzw. gar nicht auf. Wir sprachen dort auch nicht von Erziehung und Betreuung, sondern von einem Ort, an dem Menschen mit unterschiedlichen Berufen und ähnlicher Berufung zusammenwirken.

Amares ist keine Marke, sondern ein Name – und ein Wortspiel. Es ist der Titel eines Buches, das jahrelang eine Suche begleitete: die Suche nach Poesie im Alltag, nach der Verbindung von Forschung und Praxis, nach einem Miteinander jenseits von vorgegebenen Rollen. Es besteht aus lauter kurzen, poetischen Erzählungen von Menschen, Orten und Situationen in Südamerika und wurde von Eduardo Galeano geschrieben. Ein Aha-Erlebnis, das nie an Bedeutung verlor: So lässt sich das Leben von Menschen beschreiben! So lässt sich sowohl die Schönheit des Alltäglichen näherbringen als auch die Tragik, die damit verwoben ist.

II. Unsere drei Leitsätze

Wir haben von Anfang an eine lebensnahe Sprache gesucht, die über die pädagogischen Begriffe hinausgeht, die uns berührt und unterstützt, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen und mit der Welt in Resonanz zu gehen.

  • Unser Anliegen ist es, Räume im Alltag für diese Vielfalt an Erfahrungen und Zugangsweisen zu schaffen. Räume, in denen Kinder sich von unterschiedlichen Dingen, Menschen und Situationen ansprechen, berühren und herausfordern lassen können.
  • Wir möchten Kindern Zeit geben, eine Sache kennenzulernen, sie zu befragen – sei es ein Baum, eine alte Schreibmaschine, einen Schatten oder eines der unzähligen kleinen Rätsel im Alltag, an denen wir Erwachsenen so oft gleichgültig vorbeigehen.
  • Und vor allem möchten wir dabei sein, um diese Prozesse wahrzunehmen, sie ernst zu nehmen und mitzugestalten…

Die Frage – damals genauso wie heute: Wie machen wir das? Vor allem – wie geht das, wenn vieles in der Welt nach anderen Prinzipien organisiert ist? Wie entstehen Räume und Beziehungen, die uns einladen, ermutigen und inspirieren, wirklich miteinander unterwegs zu sein? Zwei wichtige Inspirationsquellen in dieser Zeit : der Heilpädagoge Henning Köhler und Prof. Ursula Stenger. Beide “phänomenologisch” orientiert…

III. Selbstorganisation

Nach den Gründungsjahren entdeckten wir das Buch Reinventing Organizations von Frederic Laloux. Auch hier: Erzählungen von kleineren und größeren Zusammenhängen – im Profit- und Non-Profit-Bereich – in denen es Menschen gelungen ist, sich anders zu organisieren, als es in der üblichen Kita-Literatur zu lesen war.

Das Buch beschreibt Organisationsformen, die unserem Bildungsverständnis besser entsprachen als solche, die auf klassischen Hierarchien beruhen: „Kita-Leitung“, „Gruppenleitung“, „Fachkraft“, „Ergänzungskraft“, „Praktikantinnen“. Der Horizont der Möglichkeiten öffnete sich ganz neu: So kann es gehen?! So kann man Entscheidungen treffen?! Wir wollen auch so unterwegs sein! Einfach war es nicht. Aber sinnvoll.

Wir experimentierten mit „Verstrickungsgesprächen“, mit „Initiativkultur“ und „Vetos“. Als die Corona-Krise uns mehrmals vor große Dilemmata stellte, hatten wir weiter geübt und die Erfahrung gemacht, dass es auch in Krisen möglich und beglückender ist, Entscheidungen zu treffen, die alle mittragen können, statt solche, die uns in „Gewinner“ und „Verlierer“ spalten. So entstand das Motto: Wir suchen Lösungen und Wege, die für alle annehmbar sind – und die wir Hand in Hand gehen können, Schritt für Schritt und mit Herzenswärme.

IV. Commons: Unterwegs zu "einem nicht nur Kindergarten"

Während “Selbstorganisation” etwas Intuitives als Begriff hatte, brachte ein Zeitschriftenabo namens OYA – ein Geburtstagsgeschenk – weitere Wortspiele, die eher herausfordernd waren. Die Idee von “Commons” , oder: gemein-schaffen und Tausch Logik-Freiheit verlangten ein Umdenken.

Solidarische Landwirtschaft ist ein einigermaßen bekanntes Modell. Dass auch Wohnen gemeinschaftlich organisiert werden kann, ist nicht ganz unbekannt. Dass Kitas aber etwas mit “selbstorganisierten Gemeinschaften auf Zeit “ und kulturellem Wandel zu tun haben könnten, ist eher die Ausnahme.

Und doch merkten wir, wir waren irgendwie, halbwegs, unterwegs zu einem „Nicht-nur-Kindergarten“. Nach der Pandemie – und entgegen aller Erwartungen – setzte sich eine Gesetzesnovellierung durch, die uns und vielen anderen kleinen Trägern finanziell den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Mit dem sogenannten „Zuzahlungsverbot“ war die Notwendigkeit, auf freiwillige Beiträge von Eltern zu setzen, von außen gegeben.

Nicht jeder war für den Sprung bereit. Der Spagat zwischen der Welt der Zuschüsse und festen Beiträge und der Welt der freiwilligen Beiträge und Selbstorganisation wurde nicht kleiner. Ist es überhaupt möglich, eine Kita als Commons zu verstehen – als selbstorganisierte Gemeinschaft –, wenn wir alle so sehr daran gewöhnt sind, Kitas als Dienstleistungsunternehmen zu betrachten? Was brauchen wir, um Grenzen zu überwinden und Wege einzuschlagen, die nicht den üblichen entsprechen?

V. “Unterwegs zu Gewaltfreiheit”

Viele Menschen wollten – und möchten auch jetzt – eine richtig gute Betreuung und Kita – nicht mehr und nicht weniger. Klassische Hierarchien können einfacher zu leben sein. Nicht jeder Mensch, der in Amares ist oder war, hat sich für einen „anderen Weg“ entschieden oder wollte „anders unterwegs sein“. Selbstorganisation lässt sich nicht erzwingen.

Warum war es für einige von uns eher “sinnvoll und verlockend”, und für andere eher „unnötig anstrengend”? Die Antwort auf diese und andere Fragen (die wir uns noch nicht einmal gestellt hatten) fanden wir – mal wieder – in einem Buch: “Reweaving the Human Fabric” – und in einer Denkweise, die im Erbe von Menschen steht, die sich ein Leben lang für Gewaltfreiheit eingesetzt haben.

Hier begegnete uns die Idee, dass eine “andere Art”, miteinander zu kommunizieren, und “eine andere Art”, unser Miteinander zu organisieren, möglich ist. Nicht in einer fernen Zukunft, sondern hier und jetzt: und zwar dadurch, dass wir ein neues Verhältnis zu unseren Bedürfnissen entwickeln, ebenso wie zu unserer Macht. In diesem Kontext lernten wir vor allem weitere Methoden und Praktiken, um kooperative Prinzipien in alle Aspekte unseres Alltags zu integrieren.

Gewaltfrei unterwegs sein ...

ist eine Einladung und eine Ermutigung, sich zu besinnen und sich auf das einzulassen, was wir wirklich wollen im Umgang miteinander. Es beschreibt eine Richtung. Und es entspringt eine tiefe Überzeugung, nämlich dass es möglich ist, bei allen inneren und äußeren Beschränkungen, Hindernissen, die uns im Alltag begegnen, mit jedem Schritt, den wir machen, einer Welt näher zu kommen, in der wir wirklich leben wollen.

Gewaltfrei Unterwegs sein” bedeutet für uns, im Einklang mit unseren Werten und unserer Vision zu leben, bzw. unterwegs zu sein. Tief in unserer Seele hat es nie Sinn ergeben, Wege zu wählen, die nicht mit unseren ultimativen Zielen im Einklang stehen. Wenn wir Frieden, ein lebendiges Miteinander und Gleichwürdigkeit wollen, dann macht es keinen Sinn, Entscheidungen zu treffen, die uns in Gewinner und Verlierer spalten, Menschen zwingen oder ihnen keine Wahlmöglichkeiten bieten. 

“Gewaltfrei Unterwegs sein”  bedeutet  allerdings auch zu erkennen, wo wir noch nicht die Fähigkeiten / Voraussetzungen haben, die nötig sind, um kooperativ und fürsorglich zu handeln. Es bedeutet also auch, dass wir die Grenzen unserer Kapazität wahr- und ernst nehmen und diesen mit sanfter Akzeptanz begegnen. 

“Gewaltfrei Unterwegs sein” bedeutet auch Unterstützung zu holen anstatt aufzugeben, und den Weg des Feierns und des Trauerns zu wählen, anstatt in Illusionen zu schwimmen oder in Gleichgültigkeit aufzugeben.

Gewaltfreiheit im Alltag zu leben bezieht sich also auf alle Ebenen unserer Kommunikation und unserer Organisation. Es geht um die Art und Weise, wie wir denken, wie wir sprechen, mit und ohne Worte, und wie wir handeln.

Gewaltfreiheit im Alltag leben, heißt:

Mittel und Wege suchen und wählen die im Einklang sind mit...

...einem Denken

jenseits von Gegensatzpaaren wie entweder–oder, richtig–falsch, gut–böse, Freund–Feind.

...einem Sprechen

in dem wir die volle Verantwortung für unsere Gefühle und Bedürfnisse zum Ausdruck bringen und in dem wir uns mit uns selbst und unserem Gegenüber einfühlsam verbinden.

...einem Handeln

das die vorhandenen Bedürfnisse und Ressourcen berücksichtigt und möglichst wenig unerwünschte/schädigende Auswirkungen hervorruft.

Die drei Säulen der Gewaltfreiheit die für uns handlungsleitend sind:

WAHRHEIT

Mit Wahrheit meinen wir hier keine absolute, philosophische Wahrheit. Es geht vielmehr um eine persönliche, erlebbare Wahrheit. Sie hat mit Aufrichtigkeit und Integrität zu tun: also damit, mit dem verbunden zu sein, was uns wichtig ist, und Wege zu finden, die zu unseren eigenen Werten passen.

MUT

Mut bedeutet, dass ich nicht wegschaue oder mich abwende, sondern handle, wenn etwas passiert, das ich als schädigend und verletzend empfinde. Mut heißt auch, dass ich bereit bin, Fehler zu erkennen und aus Situationen, wo es mir nicht gelungen ist, im Einklang mit dem zu handeln, was mir wertvoll ist, zu lernen. Mut heißt auch, dass ich diesen Weg gehe, wenn andere es nicht tun. 

LIEBE

Liebe bedeutet, sich immer wieder darum zu bemühen, zu verstehen statt zu verurteilen. Sie zeigt sich nicht nur in Zuwendung, sondern auch darin, Entscheidungen aus Mitgefühl und mit Rücksicht auf die Bedürfnisse aller zu treffen.

Angebote für Eltern - Kitas - Schulen

Mit “Gewaltfrei unterwegs“ bieten wir eine Art Wegweiser. Er zeigt  Wege und Möglichkeiten auf, wie wir unsere Werte im Alltag verkörpern können, indem wir gewaltfreie Prinzipien in alle Bereiche der Organisation integrieren.

Wir bieten Räume, in denen wir unsere gewohnten Denk-, Sprach- und Handlungsweisen sanft auf Spuren von Trennung, Mangel und Ohnmacht untersuchen. Wir lernen, diese zu erkennen, statt sie unbewusst zu reproduzieren oder gar zu verstärken. 

Wir bieten gezielte und gut abgestimmte Unterstützung für Teams und Organisationen die mutige Schritte gehen wollen, um alternative Wege der Kommunikation und Organisation zu schaffen, die auf innerer Wahlmöglichkeit beruhen, die  Zusammengehörigkeit stärken und vertrauensvolles Handeln stiften – statt auf Kontrolle zu setzen.

Wir unterstützen bei Gewalt- und Konfliktprävention durch Praktiken basierend auf verschiedene Methoden. Diesen Weg  können wir in den Formaten, die für Sie und uns  alle am besten umsetzbar sind, gemeinsam besprechen. 

Anke Krause

Anke bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Gestaltung von Veränderungen mit Gruppen und Prozessen in den Raum, in dem Sie ihr begegnen.

Sie ist Spezialistin für soziale Inklusion und diskriminierungssensible Beratungs- und Bildungsarbeit.

Sie versteht Kommunikation nicht nur als das Aushandeln davon wer gewinnt, sondern als einen kooperativen, anerkennenden, zuhörenden Prozess, in dem die Anliegen und Bedürfnisse aller bei der Entwicklung neuer Lösungen im Mittelpunkt stehen, ohne „faule“ Kompromisse.

mail@ankekrause.org

Vanda Perez Bessone

Gründerin amares – Dipl. Biologin – Staatl. anerkannte Erzieherin – Msc. Holistic Science

Vanda bringt 15 Jahre Erfahrung in der Leitung und Begleitung von Teams, Eltern und Veränderungsprozesse mit.

Als (Mit-)Gründerin von amares kennt sie die Herausforderungen der verschiedenen Funktionen und Rollen aus eigener Erfahrung. Seit 2021 beschäftigt sie sich intensiv mit der Thematik der Gewaltfreiheit und ist aktives Mitglied sowie Mitgestalterin der Nonviolent Global Liberation Community, wo sie Gewaltfreie Kommunikation und andere eng damit verbundene, auf Strukturen bezogene Praktiken praktiziert.

vanda.perez@amares-koeln.de

Unsere Praktiken und Methoden

LEBENSNAH

Wir arbeiten mit Prinzipien anstatt mit Theorien, die man unmittelbar ausprobieren kann, und deren Wirkung sich in Handlungen unmittelbar zeigt. Lernen durch Erspüren, Beobachten und begleitetes Tun.

LEBENSFREUNDLICH

Das Leben ist strukturiert und organisiert in Verbundenheit und im Fluss. Unsere Methoden stehen im Einklang mit den Zielen und Anliegen, die uns am Herzen liegen.

LEBENSBEJAHEND

Der Fokus liegt auf dem, was wir wollen. Wir sind unterwegs im Sinne der Vision und nicht in Opposition. Wir finden das „Ja“ hinter dem „Nein“ und erkennen die Bedürfnisse hinter jedem Schrei.

Methodische Inspirationen

Für die Implementierung bedürfnisorientierter Ansätze, die auf gewaltfreien Prinzipien beruhen, gibt es zudem eine Reihe von Methoden und Lernmaterialien, die alle Aspekte des Miteinanders in Kitas, Familien und Organisationen betreffen.

1

Convergent Facilitation

Nach Miki Kashtan

2

The Compass

Nach Arnina Kashtan

3

Gewaltfreie Kommunikation

Nach Marshall B. Rosenberg

4

Resonante Sprache

nach Sarah Peyton